Was mich meine Tochter über Erwartungen, Missverständnisse und erfolgreiches Lernen gelehrt hat

Damals war meine Tochter noch in der ersten oder zweiten Klasse.

Ich war eine junge Mama und wollte – wie wahrscheinlich alle Eltern – nur das Beste für meine Kinder.

Trotzdem gab es immer wieder Situationen, die in Streit endeten.

Eine davon begann fast immer mit demselben Satz:

„Räum bitte dein Zimmer auf.“

Ein Satz – und ich wusste: Gleich gibt es Streit.

Es lief eigentlich immer gleich ab.

Ich sagte: „Kannst du bitte dein Zimmer aufräumen?“

„Ja, mache ich“, kam die Antwort.

Eine halbe Stunde oder manchmal auch eine Stunde später ging ich wieder ins Zimmer.

Meine Tochter saß auf dem Boden vor ihrem Bücherregal und las. Um sie herum lagen noch Bücher auf dem Boden. In einer Ecke lag noch Kleidung.

Für mich war sofort klar: „Sie hat ihr Zimmer noch gar nicht aufgeräumt.“

Also fragte ich: „Was machst du da? Ich dachte, du räumst dein Zimmer auf?“

Sie schaute mich an und antwortete: „Mama, ich habe doch aufgeräumt.“

Ich verstand die Welt nicht.

„Wie bitte? Du hast aufgeräumt? Überall liegen doch noch Bücher auf dem Boden!“

Mittlerweile war auch sie genervt.

„Doch, Mama. Ich habe aufgeräumt.“

Und schon waren wir mitten im Streit.

Erst viele Jahre später habe ich verstanden, warum

Damals war ich überzeugt, dass meine Tochter einfach nicht richtig aufgeräumt hatte.

Heute weiß ich, dass wir beide etwas völlig Unterschiedliches unter „aufräumen“ verstanden haben.

Erst viele Jahre später – als ich mich intensiv mit Persönlichkeitsentwicklung, Lernpsychologie und später mit dem Lerncoaching beschäftigte – musste ich immer wieder an diese Situation denken.

Plötzlich ergab alles Sinn.

Die Bücher im Regal hatte sie bereits eingeräumt. Die Bücher neben ihr wollte sie als Nächstes lesen. Ein anderer Stapel war für Bücher, die sie verschenken wollte.

In ihrer Welt war das Zimmer tatsächlich aufgeräumt. Nur eben anders, als ich es erwartet hatte.

Wir hatten beide recht. Nur unsere Erwartungen waren unterschiedlich.

Plötzlich ergaben viele Situationen Sinn

Je länger ich darüber nachdachte, desto öfter fiel mir auf, dass genau das nicht nur beim Aufräumen passiert. Sondern auch beim Lernen.

Bei Sätzen wie:

„Bist du endlich fertig mit den Hausaufgaben?“

„Trödel doch nicht so herum, sonst wirst du nie fertig!“

„Jetzt fang endlich an!“

„Wie oft muss ich dir das noch sagen?“

Der Familienalltag besteht nun einmal zu einem großen Teil aus Schule. Und genau dort entstehen oft Missverständnisse.

Wir Eltern gehen häufig davon aus, dass unsere Kinder dieselbe Vorstellung von einer Situation haben wie wir. Dabei sieht jeder Mensch die Welt ein bisschen anders.

Daraus entstand eine Idee

Mit den Jahren beschäftigte ich mich immer intensiver mit Persönlichkeitsentwicklung, Lernpsychologie und später mit dem Lerncoaching.

Dabei wurde mir immer klarer: Bevor wir über Lerntechniken oder bessere Noten sprechen, sollten wir zuerst verstehen, was für ein Elterntyp wir sind und was für ein Lerntyp unser Kind ist.

Denn jeder Elterntyp bringt seine eigenen Erwartungen mit. Und jeder Lerntyp geht anders an Aufgaben heran.

Genau dort entstehen viele Missverständnisse. Nicht, weil jemand etwas falsch macht, sondern weil beide dieselbe Situation unterschiedlich wahrnehmen.

Aus dieser Erkenntnis entstand später das Familienquiz.

Es hilft Eltern dabei, ihren eigenen Elterntyp kennenzulernen und gleichzeitig besser zu verstehen, welcher Lerntyp ihr Kind ist.

Denn erst wenn wir uns gegenseitig verstehen, schaffen wir die Grundlage für weniger Streit, mehr Verständnis und erfolgreiches Lernen.

Für mich beginnt Lernen mit Verstehen

Das Familienquiz soll niemanden bewerten. Es soll Familien helfen, sich selbst und ihr Kind besser zu verstehen.

Denn wenn wir erkennen, warum wir unterschiedlich denken, lernen und handeln, verändert sich plötzlich ganz viel.

Aus Vorwürfen werden Gespräche. Aus Streit wird Verständnis.

Und genau dort beginnt für mich erfolgreiches Lernen.

Wenn du neugierig geworden bist und herausfinden möchtest, welcher Elterntyp du bist und welcher Lerntyp dein Kind ist, dann probiere unser kostenloses Familienquiz aus.

✍️von Mirabela Bagi – Mama von zwei Kindern und Lerncoach. Wer auf schnelle Lerntipps hofft, muss sich bei ihr oft zuerst ein paar Fragen gefallen lassen ;-). Denn aus ihrer Erfahrung mit Familien und Lernpsychologie weiß sie: Verstehen ist oft der erste Schritt zu einer guten Lösung.