Handy bei den Hausaufgaben: Warum „nur kurz schauen“ so viel Zeit kostet
„Was haben wir in Mathe auf? Das steht doch in der Gruppe!“
Dein Kind greift zum Handy, um die Hausaufgaben nachzuschauen. Seite 34, Aufgabe 1 bis 4. Gefunden.
Dann noch ein Blick auf die neuen Nachrichten. Jemand hat ein Video geschickt. Kurz antworten, ein Emoji hinterher.
„Jetzt leg doch endlich das Handy weg!“
„Ich brauch das doch für die Hausaufgaben!“
Eine halbe Stunde später steht im Heft immer noch nur der Anfang von Aufgabe eins.
Kommt dir bekannt vor?
Das Problem sind nicht nur die Minuten am Handy
Vielleicht hat dein Kind tatsächlich nur eine Minute auf die Nachricht geschaut.
Aber danach muss es erst einmal wieder in die Matheaufgabe hineinfinden.
Wo war ich gerade? Was sollte ich ausrechnen? Was hatte ich mir eben überlegt?

Dieses ständige Wechseln zwischen zwei Tätigkeiten kostet Aufmerksamkeit.
Und selbst wenn das Handy nur neben dem Heft liegt, kann es ablenken.
Eine Studie von Ward und Kollegen (2017) zeigte, dass bereits die Anwesenheit des eigenen Smartphones die verfügbare geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen kann. Untersucht wurden allerdings Erwachsene, nicht Schulkinder.
Auch die OECD berichtet in ihrer PISA-Studie 2022, dass digitale Ablenkungen beim Lernen weitverbreitet sind.
Es geht also nicht nur darum, wie lange dein Kind am Handy ist. Sondern auch darum, wie oft es beim Lernen gedanklich aussteigen und wieder einsteigen muss.
„Aber ich brauche mein Handy!“
Manchmal stimmt das sogar.
Vielleicht stehen die Hausaufgaben in der Klassengruppe. Vielleicht muss dein Kind etwas nachschauen oder nutzt eine Lern-App.
Das Handy grundsätzlich zu verbieten, löst deshalb nicht jede Situation.
Aber es macht einen Unterschied, ob dein Kind das Handy für eine bestimmte Aufgabe nutzt oder ob nebenbei ständig Nachrichten hereinkommen.
Die Frage könnte also lauten:
„Wofür brauchst du dein Handy jetzt gerade?“
Wenn die Hausaufgaben nachgeschaut sind, kann es für die eigentliche Lernzeit zur Seite gelegt werden.

Probiert einen Handy-Parkplatz aus
Statt jeden Nachmittag neu darüber zu diskutieren, könnt ihr gemeinsam einen festen Platz für das Handy vereinbaren.
Nicht direkt neben dem Matheheft. Vielleicht auf einem Regal im Flur oder in der Küche.
Wichtig ist, dass dein Kind mitentscheiden darf, wo dieser Platz ist.
Für die vereinbarte Lernzeit bleibt das Handy dort. Danach bekommt dein Kind es wie besprochen zurück – ohne neue Verhandlungen.

Das ist kein Wundermittel. Aber es nimmt eine Ablenkung aus dem Weg, bevor sie überhaupt entsteht.
Probiert es drei Tage lang aus. Nicht als Strafe, sondern als Experiment.
Frag dein Kind anschließend:
„War es leichter, bei den Aufgaben zu bleiben? Oder hat sich gar nichts verändert?“
Vielleicht stellt ihr fest, dass die Hausaufgaben tatsächlich schneller erledigt sind. Vielleicht merkt ihr aber auch, dass das Handy gar nicht euer größtes Problem ist.
Beides ist eine hilfreiche Erkenntnis. Was sonst noch bei der Konzentration helfen kann, liest du in unserem Beitrag Konzentration bei Kindern fördern.
Und wie ist das bei euch?
Vielleicht hast du das Gefühl, dein Kind lässt sich ständig vom Handy ablenken.
Dein Kind empfindet deine Erinnerungen dagegen als störend oder findet, dass es das Handy zum Lernen braucht.
Solche Situationen erleben Eltern und Kinder manchmal ganz unterschiedlich.
In unserem kostenlosen Kleeblatt-Familienquiz beantwortest du zuerst Fragen dazu, wie du dein Kind beim Lernen begleitest. Danach beantwortet dein Kind Fragen aus seiner Perspektive.
Aus euren Antworten entsteht euer Familienlernprofil – ein Ausgangspunkt, um den Lernalltag gemeinsam besser zu verstehen.
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✍️ Von Mirabela Bagi – Mama von zwei Kindern und Lerncoach.
Wissenschaftliche Quellen
- Ward, A. F., Duke, K., Gneezy, A. & Bos, M. W. (2017). Brain Drain: The Mere Presence of One’s Own Smartphone Reduces Available Cognitive Capacity. Journal of the Association for Consumer Research, 2(2), 140–154. https://doi.org/10.1086/691462
Die Experimente zeigen, dass bereits ein sichtbares Smartphone die verfügbare kognitive Kapazität beeinträchtigen kann. Die Untersuchung wurde mit Erwachsenen durchgeführt. - OECD (2023). PISA 2022 Results (Volume II): Learning During – and From – Disruption. oecd.org
Laut PISA 2022 berichteten rund 30 % der befragten 15-Jährigen im OECD-Durchschnitt, dass sie in den meisten oder allen Mathematikstunden durch digitale Geräte abgelenkt werden. Die Studie bezieht sich auf den Schulunterricht, nicht unmittelbar auf die Hausaufgabensituation zu Hause.